Willkommen

Liebe Studienanfänger der Studiengänge Geowissenschaften und Biogeowissenschaften in Jena!


Schön, dass sie sich für das Studium an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena entschieden haben. Sie können sich auf eine spannende, interessante, abwechslungsreiche, dabei auch persönliche  Studienzeit in der lebendigen und offenen Universitätsstadt Jena freuen, auch wenn die Beschränkungen im Zusammenhang mit der Eindämmung der Corona-Pandemie auch das Studieren deutlich beeinflusst und verändert hat und weiter verändern und beeinflussen wird.

Die moderne Lesart der Biogeowissenschaften und Geowissenschaften -zu denen auch mein Fachgebiet, die Hydrogeologie hier am Institut für Geowissenschaften zählt - ordnet diese Disziplinen der Kategorie der exakten Naturwissenschaften zu. Das heißt unter anderem, das mathematisches Verständnis und Fertigkeiten notwendig sind, um die Studieninhalte wirklich, d.h. in der Tiefe, erfassen, begreifen, nutzen und fortentwickeln zu können.

In Forschung und Studium der Biogeowissenschaften und Geowissenschaften werden dabei die Perspektiven aus Physik, Chemie, Biologie und Geowissenschaften auf die uns umgebende Natur vereinigt. Für das Studium hilfreich sind daher alle (Vor-)Kenntnisse auf den jeweiligen oder verwandten Gebieten - wobei die Erfahrung zeigt, dass im Allgemeinen die Vorkenntnisse in den Geowissenschaften am geringsten sind (Geographie in der Schule vermittelt - leider - kaum geowissenschaftliche Inhalte).

Um individuelle inhaltliche Defizite in Wissen und Kompetenzen ausgleichen zu können, müssen diese festgestellt werden. Daher empfehle ich Ihnen, zunächst einmal die Modulbeschreibungen der Lehrveranstaltungen der ersten vier Semester in den Bachelor- bzw. ersten zwei Semester in den Master-Studiengängen zu "studieren". Aus diesen Beschreibungen geht hervor, was inhaltlich geboten aber auch gefordert wird - so lässt sich auch feststellen, welche Voraussetzung oder Vorkenntnisse - also welches Wissen und welche Kompetenzen - individuell fehlen und ergänzt bzw. erworben werden sollten.

Generell empfehle ich Studieninteressierten, sich mit "Physikalischer Chemie" und zusätzlich im Falle der Biogeowissenschaften auch mit "Ökologie" zu beschäftigen. Ein grundlegendes und aktuelles Lehrbuch zur Physikalischen Chemie gibt einen sehr guten Überblick über die fundamentalen Konzepte, Prinzipien und Methoden, die auch wir in den Geo- und Biogeowissenschaften als "Grundwerkzeuge" beherrschen sollten. Auch werden dort die chemischen, physikalischen und mathematischen "Wissensfelder und Fertigkeiten" dargestellt, die für Verständnis von, Anwendung in Forschung auf den Gebieten der Geowissenschaften und Biogeowissenschaften notwendig sind.
Ein grundlegendes und aktuelles Lehrbuch zur Ökologie verschafft einen Einblick über Eigenschaften, Komposition, Struktur, Dynamik und Funktionen von Ökosysteme - zu denen auch nahezu alles natürliche bzw. Erd-Systemen zu zählen sind - zu den Zusammenhängen und Wechselbeziehungen ihrer Komponenten, sowie der unglaublichen Vielfalt der sie bevölkernden, oder besser mit-konstituierenden, Organismengruppen.

Schließlich sind der Erwerb von Wissen Kompetenzen im Hinblick auf die Erhebung, Verarbeitung, Analyse und Interpretation von großen Datenmengen ("Data Science") nicht außer Acht zu lassen, auch wenn das im Bachelor-Studium noch kaum anfällt.

Hoffentlich habe ich Sie mit meinen Ausführungen nicht zu sehr verunsichert, verängstigt oder abgeschreckt? Um das gegebenenfalls abzumildern, bleibt am Schluss nur die Feststellung: Wer Beharrlichkeit, Frustrationstoleranz, Fleiß, Disziplin sowie Überzeugung für und Interesse und Freude am Studienfach mitbringt, braucht sich um den Studienerfolg nicht zu sorgen (Auch wenn manche Hürden zunächst unüberwindbar zu sein scheinen…).

Ihnen einen erfolgreichen Studienbeginn und viel Freude am Studium hier bei uns in Jena

Univ.-Prof. Dr. K. U. Totsche